Veranstaltungsrückblick IGA-Neujahresempfang 2026
„Wir müssen aufhören zu zweifeln und wieder anpacken.“
Klare Forderungen, Ehrungen und ein Ostrock Auftritt beim IGA Neujahrsempfang im Erzgebirge
Wenn das neue Jahr im Westerzgebirge beginnt, dann nicht leise. Der Neujahrsempfang der Industrie und Gewerbevereinigung (IGA), zu Gast am 15. Januar im Kulturhaus Aue, war 2026 weit mehr als ein gesellschaftlicher Pflichttermin. Er wurde zur Standortbestimmung, zur Abrechnung mit lähmender Bürokratie und zur klaren Wertschätzung der Region. Dabei setzte der Abend bewusst Impulse für das Erzgebirge und markierte einen Kurs für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenarbeit im neuen Jahr.
Ein Auftakt voller Energie: Grußwort und Quiz
Den Abend eröffnete Oberbürgermeister Heinrich Kohl mit einem herzlichen Grußwort, in dem er die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit hervorhob und den Gästen Mut für 2026 machte. Aue Bad Schlema – als bewusster Gastgeber und Gründungsort der IGA – bot dafür den symbolischen Rahmen.
Im Anschluss war das Wissen der anwesenden Gäste rundum die IGA, sowie die Stadt Aue-Bad Schlema gefragt. Vereinsmanager Alexander Fuchs sorgte mit einem interaktiven Quiz, das Wirtschaft, Kultur und regionale Besonderheiten auf humorvolle Weise einbezog, für Lacher, Austausch und lebendige Netzwerk-Momente gleich zu Beginn des Abends.
Direkter Austausch: Wirtschaft und Kommunen im Dialog
Im Zentrum des Programms standen zwei aufeinanderfolgende Podiumsformate, die den Dialog zwischen Wirtschaft und öffentlicher Hand bewusst in den Mittelpunkt rückten. Moderiert von Alexander Fuchs wurde zunächst im Talk-Duell „Wirtschaft vs. Kommunen – Handlungsfähigkeit unter Druck“ die angespannte finanzielle Situation der Städte und Gemeinden beleuchtet. Staatssekretär Sebastian Scheel und Bert Wendsche, Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, kamen in einen kurzweiligen Schlagabtausch rundum die aktuelle Lage in sächsischen Kommunen. Dabei ging es um strukturelle Defizite, steigende Anforderungen und die Frage, wie kommunale Handlungsfähigkeit langfristig gesichert werden kann.
Im Verlauf des Abends weitete eine Diskussionsrunde mit Vertretern aus Wirtschaft, Kommunen und Landespolitik den Blick auf die gesamtregionale Entwicklung. Zu den weiteren Gesprächspartnern gehörten Landrat Rico Anton und André Lang, Präsident der IHK-Regionalkammer Erzgebirge. Thematisiert wurden die enge Wechselwirkung zwischen wirtschaftlicher Stärke und kommunaler Leistungsfähigkeit sowie die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen und vor allem Vertrauen in Unternehmer und regionaler Wirtschaft. Bert Wendsche machte deutlich, dass es ein Reformjahr 2026 brauche, um Städte und Gemeinden dauerhaft handlungsfähig zu halten. Beide Formate zusammen unterstrichen, dass die Zukunft des Westerzgebirges nur im engen Schulterschluss von Wirtschaft, Politik und Kommunen gestaltet werden kann.
Ehrungen für besonderes Engagement
Ein zentraler Bestandteil des Abends war die Würdigung herausragender Persönlichkeiten, die sich mit großem Einsatz für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Region verdient gemacht haben. Die Ehrungen wurden vom IGA-Vorstand übergeben, der in kurzen Laudationen die Leistungen der Geehrten würdigte und die Bedeutung ihres Engagements für das Erzgebirge hervorhob.
Ausgezeichnet wurden:
- Oberbürgermeister Heinrich Kohl
- André Poland
- Isabell Kosmitzki und Katja Höhne (Katl & Bell)
- Katrin Schäffner, ehemalige IGA-Vorstandsvorsitzende
Die Ehrungen zeigten eindrucksvoll, dass persönlicher Einsatz, Verantwortung und Engagement für die Region im Westerzgebirge hochgeschätzt werden und einen wichtigen Beitrag zu wirtschaftlicher Stabilität und gesellschaftlichem Zusammenhalt leisten.
Ein Rockstar als Stimme des Ostens
Ein weiterer kultureller Höhepunkt war der musikalische Auftritt von Toni Krahl, Sänger der legendären Ostrock-Band City. Krahl verband Musik mit gesellschaftlicher Reflexion und kultureller Identität. In seinem Beitrag thematisierte er auch die Belastungen durch Bürokratie und brachte es pointiert auf den Punkt:
„Wir müssen Bürokraten abbauen.“
Mit seinem Auftritt zeigte Krahl, wie künstlerisches Engagement und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein ineinandergreifen und bekannte Hits von City und aktuelle Songs den Abend stimmungsvoll und kurzweilig bereicherten.
Klartext zum Abschluss: Bürokratie abbauen, Verantwortung übernehmen
Ein zentrales inhaltliches Thema des Abends war der offene Umgang mit überbordender Bürokratie und ihren Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. In mehreren Beiträgen, auch aus der anwesenden Unterschaft, wurde deutlich, dass Unternehmen zunehmend durch Dokumentationspflichten, komplexe Förderregularien und langwierige Verfahren ausgebremst werden. Der damit verbundene Frust war im Saal spürbar – und wurde bewusst nicht beschönigt.
IGA-Präsident Marcel Koch brachte diese Stimmung auf den Punkt und kritisierte, dass unternehmerische Energie zu oft in Verwaltungsaufwand statt in Innovation und Wertschöpfung fließe. Besonders eindrücklich verwies er darauf, dass ein erheblicher Anteil von Fördermitteln allein für Nachweise und Bürokratie aufgewendet werden müsse, anstatt direkt in Projekte und Entwicklung zu fließen. So setzte Marcel Koch den Schlusspunkt der Veranstaltung mit einer klaren, emotionalen Rede, in der er die zuvor diskutierten Herausforderungen zusammenfasste und den Blick nach vorn richtete. Mit seinem Appell:
„Wir müssen aufhören zu zweifeln und wieder anpacken.“ formulierte er die zentrale Botschaft des Abends: Mut, Gestaltungswille und gemeinsames Handeln sind die entscheidenden Faktoren für die Zukunft des Westerzgebirges.
Fazit: Ein Abend mit Nachhall
Am Ende blieb weit mehr als ein netter Empfang: Der IGA-Neujahrsempfang 2026 setzte echte Impulse für das Erzgebirge und zeigte, dass die Region kein Zuschauer, sondern ein aktiver Gestalter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse sein will. Mit klaren Positionen, kulturellen Akzenten, Ehrungen und dem Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wurde ein gemeinsamer Blick in die Zukunft geworfen – ein Abend mit Haltung, Impulsen und Netzwerken, der den Start ins Jahr 2026 nachhaltig prägt.
Kulinarisch sorgte der Ratskeller Schwarzenberg mit einem glanzvollen Begrüßungsgetränk und hochwertigen Live-Cooking für regionale Geschmacksfreuden. Konzeptionell in den Händen des Vereinsmanagers Alexander Fuchs lag die Gestaltung des gesamten Abends. Mit professioneller Lockerheit führte er durch die Programmpunkte und sorgte dafür, dass Gespräche, kulturelle Highlights und politische Diskussionen passend aufeinander abgestimmt wurden.
Fotos: Fotoatelier Lorenz